Wie werden ausländische Fachkräfte erfolgreich integriert?

27. Mai 2019 um 13:22

Wie werden ausländische Fachkräfte erfolgreich integriert?Wo man auch hinhört, der Fachkräftemangel macht zahlreichen Unternehmen zu schaffen – insbesondere dem Mittelstand. Da der deutsche Markt nahezu leergefegt scheint, sucht das ein oder andere Unternehmen bereits qualifizierte Mitarbeiter im EU-Ausland bzw. in Drittländern. Damit die Einstellung von internationalen Fachkräften auch wirklich erfolgreich wird, müssen Arbeitgeber gute Integrationsarbeit leisten.

Sprachliche Barrieren, Heimweh oder auch kulturelle Unterschiede machen den Arbeitsalltag für viele ausländische Arbeitnehmer zur Herausforderung. Da die Unternehmen natürlich an einer längerfristigen Bindung interessiert sind, ist es ratsam, in die Eingliederung ihrer neuen Mitarbeiter zu investieren.

Rekrutierung im Ausland

Nachdem klar ist, welche Herkunftsländer zur Rekrutierung in Frage kommen, folgt die Überlegung, über welche Kanäle potenzielle, geeignete Kandidaten zu finden sind. Häufig sind internationale Geschäftspartner oder Kunden aus dem jeweiligen Land beim Zugang zu den Talentnetzwerken vor Ort gern behilflich. Auch viele Branchenverbände können bei der Rekrutierung im Ausland unterstützen. Neben der Präsentation auf Jobmessen vor Ort, bieten sich Online-Karriereportale oder Jobbörsen an, um englischsprachige Stellenanzeigen zu platzieren. Weiterhin kann der Kontakt über ausländische Mitarbeiter, die seit längerer Zeit im Unternehmen tätig sind, hilfreich sein. Diese können bestehende Netzwerke zu Hochschulen und früheren Kommilitonen aktiv nutzen.

Profil definieren

In der Stellenausschreibung sollte klar formuliert sein, welche Unterlagen der Bewerbung beizufügen sind und welche Kompetenzen der Bewerber haben sollte. Die Tatsache, dass es viele deutsche Abschlüsse und Zertifikate im Ausland nicht gibt, erfordert ein sehr exaktes Anforderungsprofil. Dieses sollte auch nötige Zusatzqualifikationen und geforderte Sprachkenntnisse beinhalten.

Nach der ersten Auswahl geeigneter Kandidaten führen viele Arbeitgeber ein Bewerbungsgespräch per Videoanruf. Neben der fachlichen Qualifikation wird dabei auch die Motivation geprüft. Damit die Bewerber selbst auch wissen, was sie erwartet, wie das Unternehmen strukturiert ist und wo sie leben werden, ist ebenso von Seiten der Personalabteilung genaue Information notwendig. Die Bewerber müssen schließlich wissen, wofür sie ihr Leben in der Heimat aufgeben – und nicht nach kurzer Zeit das Unternehmen wegen falscher Erwartungen wieder verlassen.

Sind Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch in Deutschland nicht möglich, kann auch ein Probearbeiten im Homeoffice eine gute Möglichkeit sein, um in ein Unternehmen hinein zu schnuppern und an einem Projekt probeweise mitzuarbeiten. Dafür ist lediglich ein PC mit Internetverbindung notwendig.

Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis

Hat man einen passenden Kandidaten gefunden, sind die gesetzlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Mitarbeiter aus dem EU-Ausland einzustellen, ist vergleichsweise unproblematisch. EU-Bürger profitieren von der sog. Freizügigkeit. Sie dürfen in jedem EU-Mitgliedsstaat wohnen und arbeiten. Bei Beschäftigten aus Drittländern ist dies deutlich langwieriger, sie müssen eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis beantragen. Dies kann mehrere Monate dauern. Manche Berufe und Qualifikationen müssen geprüft und ggf. in Deutschland anerkannt werden. Teilweise muss auch geprüft werden, ob eine ausgeschriebene Stelle nicht doch mit einem EU-Bürger besetzt werden kann. Das ganze Verfahren erfordert oft Unterstützung durch das Unternehmen: Ausländische Talente können z. B. beim Visumsantrag begleitet werden oder auf die blaue EU-Karte hingewiesen werden. Diese fördert die Migration Hochqualifizierter aus Drittländern. Sie erleichtert den Zugang zu einem Aufenthaltstitel, um in der EU einer Tätigkeit nachgehen zu können, die ihrer Qualifikation entspricht.

Willkommenskultur

Solange die Arbeitserlaubnis noch nicht erteilt ist, freut sich jeder ausländische Arbeitnehmer über Hilfe bei der Wohnungssuche und ggf. später auch beim Umzug. Dies kann auch eine finanzielle Unterstützung, z. B. im Rahmen eines Pauschalbetrages für den Umzug, sein.

Auch ein Begrüßungspaket mit Informationen der Region, Stadtplan, wichtigen Adressen und Telefonnummern ist hilfreich. Optimal wäre ein fester Ansprechpartner im Unternehmen, der sowohl bei der Einarbeitung als auch bei Behördengängen, Formularen usw. unterstützt.

Interkulturelle Trainings und Sprachunterricht können den neuen Mitarbeitern helfen, sich schneller in der neuen Heimat zurechtzufinden und zu integrieren. Auch die neuen Teams sollten auf die möglicherweise kulturellen Unterschiede vorbereitet werden und lernen, mit ihnen umzugehen. Das erleichtert allen die Zusammenarbeit und schafft gegenseitiges Verständnis.

Soziale Integration der ausländischen Kollegen sollte möglichst von allen Hierarchieebenen betrieben werden: die gemeinsame Mittagspause, der Sport nach Feierabend oder Firmenfeiern schaffen eine Wohlfühl-Atmosphäre, die dazu beiträgt, dass die Kollegen auch bleiben und nicht nach kurzer Zeit mit ihrem Wissen wieder in die alte Heimat zurückkehren.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Rekrutierung und der anschließenden Integrationsarbeit!